Ran an den Speck

Leider habe ich ja meine wundervolle Silvester-Vorsatz-Liste vernichtet. Somit kann ich mich auch nicht mehr so genau daran erinnern was ich mir in einem Moment der angeduselten Übermotivation so alles für das neue Jahr vorgenommen habe. Da ich Mike wohl in näherer Zukunft meine Liebe nicht gestehen werde, mache ich mich nun also voller Elan an mein Vorhaben, 10 Kilo abzunehmen. Ich habe das wohl durchdacht, denn das wiederum könnte zu gesteigertem Selbstbewusstsein führen (wie Choche von Germany’s next Topmodel es so schön nennt: säbbäwuuuuus) was dann wiederum das Geständnis leichter machen könnte.

Ich versuche nun sein ziemlich genau 10 Jahren abzunehmen. Amerika hat mir die Figur versaut verdammt. Ich denke mein Hauptproblem ist, dass ich in jeder Situation essen kann. Wenn ich glücklich bin, wenn ich traurig bn, wenn ich Stress habe… und eventuell könnte auch meine nicht existente Selbstdisziplin eine kleine Rolle spielen. Ich komme auf das Thema weil ich hier sitze und mich fühle wie ein Wrack. Die letzten zwei Tage habe ich einer Freundin beim umziehen geholfen, was in Wirklichkeit nur ein paar Kisten rauf und runder schleppen sowie ein Regal zusammenbauen beinhaltete. Heute Morgen war ich dann noch im Flexibar Kurs und jetzt sitze ich hier, nicht im Stande eines meiner Körperteile ohne große Schmerzen zu bewegen. Momentan bin ich zu Besuch  bei meinen Eltern und da sich meine Mutter auch hin und wieder rührend um meine Figur sorgt hat sie mir letztes Jahr zum Geburtstag eine Zehnerkarte für das hiesige Fitnesstudio geschenkt, dass ich auch wenn ich zu Hause bin nicht auf Sport verzichten muss. Das ist nicht nur unglaublich nett von meiner Mutter sondern auch so vorausschauend, denn man muss sich mal vorstellen was aus mir werden würde wenn ich hier mal einen Tag auf Sport verzichten müsste… ich würde quasi zu Grunde gehen…

Früher war ich mal unheimlich sportlich, habe Salti geschlagen, war die Flick Flack Königin und konnte lange Zeit in Positionen verharren bei denen ich heute schon beim zusehen Muskelkater bekomme. In der Flexi-Stunde mit Carina im örtlichen Fitnesstudio fühle ich mich immer, auch wenn ich oft damit angebe dass ich eine ganz gute Körperbeherrschung habe, wie ein Walross. Im Vergleich zu meinen meist doppelt so alten Mitturnerinnen verliere ich auf ganzer Linie, falle bei jeder Übrung nach einer Minute um weil ich das Gleichgewicht nicht halten kann, bekomme einen knallroten Kopf und schwitze wie ein Schwein. Manche Übungen kann ich sogar aufgrund meiner doch ezwas fülligeren Rundungen rein technisch gesehen überhaupt nicht ausführen. Und dann stehe ich da, vorne treibt uns Carina mit ihrer sehr anstengenden, piepsigen Stimme zu Höchstleistungen und schaut mich jedes Mal ermahnend an wenn ich mal kurz aussetze um was zu trinken. Ja will sie denn dass ich in Ohnmacht falle? Bei dem Wasserverlust durchaus möglich. „Du musst das Bein Strecken und ganz an deinen Körper ziehen“…. Schätzchen wenn ich Körbchengröße A hätte und die Hälfte von dem wiegen würde was ich tatsächlich  wiege wäre das bestimmt möglich aber herrgott für diesen scheiss sind mir meine Titten und mein Bauchwulst leider im Weg um das scheiss Bein ganz an den Körper zu ziehen!!! Und diese zierliche Person steht da vorne ganz locker rum, verrenkt ihren Körper auf Arten dich ich in meinem Leben noch nie gesehen habe und ruft „Hüa, Hüa!“ Entschuldigung? Hüa? Ich mag mich bewegen wie ein schwerfälliger Brauereigaul aber hüa?? Später fand ich heraus dass Hüa die Piepsestimmenvariante von „vier“ war, trotzdem war ich zutiefst getroffen… Aber ich hab es wenigstens versucht auch wenn es unbeschreibliche Schmerzen verursacht hat. Ich bin ja schon froh dass meine Mutter nicht mitkommt, denn die gehört zu der A Körbchen Riege und weil sie so unglaublich diszipliniert ist und unglaublich viel Sport macht ist das alles für sie kein Problem… Sie würde bestimmt danach so etwas zu mir sagen wie „Na immerhin bist du die ganze Stunde geblieben“ oder „mit ein paar (vielen) Kilos weniger würde dir das bestimmt leichter fallen“. Ach was??

Aber es hilft ja alles nichts, wir müssen das Kind beim Namen nennen und die Karten auf den Tisch legen. Ich bin 30, klein und stämmig, esse zu viele undgesunde Dinge, rauche, habe bis auf wenige Wochen im Jahr was Körper und Ernährung anbelangt null Disziplin, habe keine Kondition, keinen Gleichgewichtssinn und bin absolut unbeweglich. So siehts aus. Ich stlle fest, es ist tatsächlich ein Irrglaube wenn man denkt man hat Konditon nur weil man es schafft eine Stunde ohne runterfallen auf einem Crosstrainer zu strampeln. Wenn man dann nach 4 mal mit Kisten die Treppe rauf und runterlaufen mit knallrotem Kopf, keuchend einen Liter Wasser inhalieren muss ist das wohl ein eindeutiges Zeichen dass die Kondition doch nicht so der Knaller ist. Der erste Schritt in die richtige Richtung wird wohl sein müssen dass ich mich ab jetzt aktiver am Kursangebot meines Fitnessstudios beteilige. Ein bisschen Zumba, ein bisschen Step, und vielleicht noch den Dance Kurs den ich bis jetzt nur von aussen beäugt habe. Yoga und Pilates stelle ich mal hinten an, da war ich jeweils einmal und bin unangenehm aufgefallen da ich die entspannende Ruhe bei sphärischen Yogaklängen durch mein geschnaufe und ständiges Umfallen verbunden mit einem zwar leisen aber existenten Fluchen gestört habe.

Ein Glück habe ich von den 10 Kilo durch mein regelmäßiges, mittwochs-abendliches Sportprogramm bereits drei Kilo runter, also sind nur noch sieben zu schaffen. Wenn Mike sich also nicht überreden lässt regelmäßig alle zwei Tage vorbeizukommen (ich denke ich frage ihn vorsichtshalber mal) führt wohl nichts am Step Aerobic vorbei. Das heisst ab sofort, Dienstags und Donnerstags nach der Arbeit nach Hause, Tasche schnappen und ab zum Sport. So lange ich zum Serienstart um 20:15 wieder zu Hause bin ist alles gut. Und samstags oder sonntags mit Verwöhnprogramm im Solarium. Und das alles ab morgen denn heute Abend wird gekocht und ich kann nunmal nur Tagliatelle mit Gorgonzolasauce

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