Das Paarmonster erklärt: Zu hohe Ansprüche

Ich liebe es, mit Menschen über Beziehungen zu sprechen. Mit Menschen, die eine Beziehung haben, mit denen, die keine mehr haben, und natürlich auch mit denen, die keine wollen. Mit jedem Gespräch über Wünsche, Ängste, Schwärmereien, Warnhinweise und Träume festigt sich das Bild, das ich selbst von meiner zukünftigen Beziehung habe ein bisschen mehr. Dabei finde ich es immer wieder besonders spannend, wie Menschen, die in einer Beziehung leben, darüber sprechen. Quintessenz dessen ist vordergründig die Annahme, meine Ansprüche seien zu hoch. Aber was heißt das eigentlich?

Zu hohe Ansprüche

Mit meinen Eltern spreche ich nicht über mein nicht existentes Beziehungsleben, ich weiß auch nicht genau warum. Wahrscheinlich weil ich weiß, dass Mutti heimlich Angst hat, dass ich niemals einen abbekomme. Die Momente, in denen wir über Partnerschaft sprechen sind rar gesät, und scheinbar habe ich doch in einem schwachen Moment ihr gegenüber einen Kommentar fallen lassen, der so was sagte wie „Eigentlich will ich doch nur einen Mann, der ein bisschen so ist wie Papa!“. Aufschrei! Vaterkomplex! Quatsch. Ich liebe meinen Papa, und zwar am meisten dafür, dass er so geerdet ist, unkompliziert, aufmerksam, respektvoll und einem auch mal Kontra geben kann. Und er kann super kochen. Und ja, das sind tatsächlich Eigenschaften, die ich in einem Mann suche wenn man es mal auf den Punkt bringt. An Weihnachten im heimischen Wohnzimmer nach ein paar Gläsern Wein sprachen wir also tatsächlich über Beziehungen. Irgendwie wollte ich das Thema vom Tisch haben. Und wie sich herausstellte, hat auch Mutti Angst, meine Ansprüche an einen Partner seien zu hoch – wenn auch sie mich für meine Selbstständigkeit immer wieder beglückwünscht. „Vielleicht kannst du nicht alles haben, Schatz“ sagt sie. „Einen Mann, der gut aussieht, nett ist UND kochen kann…!“. Ich schmunzle. Zur Beruhigung der Gemüter räume ich ein, dass ich wohl vorerst auf das Kochtalent verzichten könne, schließlich kann Mann das ja lernen wenn nötig. Aufatmen. Es besteht noch Hoffnung. Ab wann sind Ansprüche eigentlich zu hoch und vor allem… wer legt das fest? Bin ich das? Sind das erfahrene Paare in meiner Umgebung? Oder der große Anspruchsrat der Singlebewegung?

Was will ich?

Um herauszufinden, ob meine Ansprüche an einen Partner und die Beziehung zu ihm zu hoch sind, darf erst mal auf den Tisch gelegt werden, was diese Ansprüche überhaupt sind. Wobei ich sagen möchte, dass mir das Wort „Ansprüche“ ganz und gar nicht gefällt, denn es klingt ganz schlimm nach DIN Norm, nach einer Liste, die abgehakt wird. Ansprüche sind so unflexibel in meiner Welt. Ich nenne es lieber Vorstellung, denn die kann nach Bedarf angepasst werden, so wie wenn ich mir ein blaues neues Auto in meiner Garage vorstelle und dann wird es doch ein weißes und es gefällt mir trotzdem super. Ihr wisst schon. Wie ich mir meinen Partner vorstelle habe ich ja schon angeschnitten. Ich denke am wichtigsten von allen sind mir Respekt und Aufmerksamkeit. Für mich gibt es wohl kaum etwas Schöneres und Beeindruckenderes, als wenn ein Mann aufmerksam gegenüber meiner Wünsche und Aussagen ist, denn es zeigt, dass er mich hört, mich sieht, und genau das ist es, was ich brauche. Und wie stelle ich mir meine Beziehung vor? Ich stelle sie mir schön vor, harmonisch, liebevoll und auf Augenhöhe. In meiner Beziehung möchte ich reden können über alles was mich bewegt, und dass mit mir geredet wird. Offenheit und respektvoller Umgang miteinander dürfen nicht fehlen. So soll sie sein, die Beziehung, die ich mir vorstelle. Beim Gedanken daran freue ich mich schon darauf, und in meiner Welt soll das so sein.

Ja, aber…

Da bin ich nun also und stelle mir diese schöne Beziehung vor, die ich mal haben werde. Für meinen Teil möchte ich mir schon mal dafür selber auf die Schulter klopfen, dass ich weiß, was ich will, und nicht nur, was ich nicht will. Bravo, Carrie! Und dann kommt da das Paarmonster (ich nenne es Klaus) um die Ecke gewankt. Schnaufend setzt er sich neben mich, seufzt tief und sagt: „Carrie, Schatz, wir müssen reden!“. Ein bisschen naiv wäre diese Vorstellung von einer Beziehung ja schon. Beziehungen sind nicht immer schön, nein ganz und gar nicht. Beziehungen sind schwierig, bedeuten viel Arbeit und Kompromisse, es sei nicht immer alles heiter Sonnenschein, ja wo kämen wir denn da hin? „Wirklich?“ frage ich „Das war mir nun ganz und gar nicht bewusst! Erzähl mir mehr!“. Ich lerne, ich darf Abstriche machen. Das was ich da suche gäbe es nicht. Das dürfe ich ruhig glauben sagt Klaus, denn schließlich spräche ich hier mit jemandem, der im Gegensatz zu mir schon ein bisschen mehr Erfahrung in diesem Gebiet hat. Am Anfang, da sei alles wunderbar. Aber die Verliebtheit, die verschwindet (und das ist gewiss), und dann heißt es Arbeit, Arbeit, Arbeit. Man müsse eben viel wegstecken in einer Beziehung, Dinge tun, die man eigentlich nicht will, die aber sein müssen, wenn man die Beziehung behalten will. Ein aufmerksamer Partner? Das sei Wunschdenken. Vielleicht zu Beginn, wenn die Wolken noch rosa sind, aber längerfristig? Come on! Einen Partner würde ich mit dieser Vorstellung nie finden, denn ich jage einem Traumbild hinterher, das es nicht gibt. Ich müsse vorab schon mal ein paar Kompromisse eingehen, sonst würde das nicht klappen. „Das ist Liebe, meine kleine Carrie, jetzt weißt du es!“ sagt Klaus, schnaubt zufrieden, klopft mir nochmal mitfühlend auf die Schulter und zieht davon.

HALT STOP!

Das soll Liebe sein? Ich sehe Klaus erhobenen Hauptes von dannen ziehen, stolz darauf, einem naiven Mädchen ein Stück Wahrheit geschenkt zu haben. Ich bin gekränkt. Ja denkt er denn wirklich, ich sei so naiv anzunehmen, eine Beziehung sei eine nonstop Fahrt im Rosa-Wolken-Express? Dass eine Beziehung auch bedeutet, dass ich Kompromisse eingehen darf, mich mit meinem Partner auseinandersetze und die ein oder andere Hürde gemeinsam mit ihm meistere weiß ich doch. Ich bin zwar Single aber nicht vollkommen realitätsfremd. Doch warum soll ich mir meine zukünftige Beziehung denn schon bevor ich sie habe schwierig vorstellen? Was gibt es denn dann, auf das ich mich freuen kann? Klaus hat den Eindruck, als würde ich aus allen Wolken fallen, wenn ich mal mit meinem Partner streite, und ihn am besten gleich verlasse weil ich mir eine Beziehung so nicht vorgestellt habe. Quatsch mit Soße! Auch ich hatte schon Beziehungen und weiß, wie der Hase läuft. Nur bin ich mittlerweile glücklich genug mit mir selbst, dass ich nicht mehr bereit bin, so große Abstriche zu machen, dass ich am Ende nicht mehr glücklich bin, denn dann kann ich genauso gut weiterhin Single bleiben. Eine Beziehung sollte mein Leben noch erfüllter, noch glücklicher machen, und nicht das Gegenteil. Ich finde das logisch. Über den Moment, in dem ich eine Beziehung führen würde, nur um nicht alleine zu sein, bin ich lange hinaus. Mein Glück ist mir das höchste Gut, und drauf bin ich stolz. Wenn ein Mann kommt, der dieses Glück noch größer machen kann, dann ist es der, mit dem ich eine Beziehung eingehen möchte.

Ich gehe rüber zu Klaus, der auf einer Parkbank sitzt und in die Ferne starrt. „Bist du glücklich?“ frage ich ihn. „Geht so“ sagt er und lächelt „Ich bin zufrieden… besser als alleine zu sein.“. Ich setze mich neben ihn. „Siehst du, Klaus, das unterscheidet uns. Ich bin lieber glücklich als nur zufrieden.“.

xoxo_Carrie_2

 

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15 Gedanken zu “Das Paarmonster erklärt: Zu hohe Ansprüche

  1. klaus ist ein depp, aber das weißt du bestimmt selber 🙂 ich kann aus eigener erfahrung sagen, eine beziehung, in der man abstriche über respekt und aufmerksamkeit machen muss, kann man sich wirklich sparen.

    und „zu hohe ansprüche“ hat doch jeder wenn er single ist, denk ich mir. ist ja ganz normal, dass man sich ausmalt, was könnte und möchte. solang man dann zulässt sich zu verlieben wenn jemand verliebenswerter kommt ist das ja ganz egal. aber auch da brauchst du wohl kaum mich dazu, das zu erklären 🙂

    ich finde es gut, den kopf nicht ganz auszuschalten und das herz und sich nicht mit einfach irgendjemandem zufrieden zu geben nur um eben nicht allein zu sein. das haben wir zum glück alle nicht mehr notwendig, weil es gesellschaftsbilder heutzutage zulassen. dass beziehungen auch arbeit sind, sehe ich schon auch so und dass es krisen gibt und dass man den anderen manchmal gern mit one way ticket to the moon aus der türe hinaustögeln will kann vorkommen. finde ich. unterm strich muss es halt passen. unterm strich sollte man einfach mehr gutes als schlechtes übereinander zu sagen haben, generell besser miteinander statt übereinander reden, aufpassen, dass man den anderen nicht anfängt für selbstverständlich zu nehmen sondern bewusst drauf achtet, was man schätzt und mag und einfach auch bewusst dinge tun, die die beziehung beleben, miteinander viel unternehmen und sich gemeinsamkeiten aufbauen aber nicht vergessen, dass man auch noch ein individuum ist. ich glaube nicht, dass klaus irgendwas davon tut.

  2. Liebe Carrie,
    es ist schön etwas von Dir zu lesen. Und in großen Teilen gehe ich d’accord mit Dir.
    Aber um das Beispiel mit dem Auto aufzugreifen. Es geht nicht nur um die Farbe. Es geht um den Gebrauchzustand, die Ausstattung was weiß ich nicht noch alles. Und wie gut das Auto wirklich ist, das merkst Du erst nach vielen Tausend Kilometern.
    Und nehmen wir mal an, der Inhalt des Geldsäckels ist nicht riesig und entspricht einem neuen Polo. Wenn es dann- und jetzt greifen wir mal nicht zu hoch- kleines Cabrio sein soll, wird es schon heikel. Dann beginnen die Abstriche.
    Und deshalb glaube ich deine Eltern und Freunde haben recht. Deine Ansprüche sind zu hoch.
    Und:Nur wer zufrieden ist wird glücklich. Wenn er nämlich seine Prioritäten gesetzt hat und erkennt: Für mich ist es reichlich und gut genug.
    Aber ich bin sicher dass Du jemand finden wirst.

  3. Ja mei, da ist sie wieder. Ich denke immer bei Deinen langen Pausen, dass Du den Mann fürs Leben gefunden hast und auf der rosa Wolke keinen Internet Zugang. Leider war das falsch.

    Der Satz „Ich bin Single aber nicht realitätsfremd“ ist herrlich. Der hätte einen eigenen Eintrag verdient.

    Zum Kern Deines heutigen Eintrags. Die liebe Paleica hat es mal wieder auf den Punkt gebracht. Es gibt bestimmte Basis Anforderungen die sind nicht verhandelbar. Wenn die nicht vorhanden sind, dann bringt es nichts. Wenn es allerdings der promovierte, adlige, super aussehende, sympathische Milliardär aus Schwabing sein muss, dann wird die Zielgruppe sehr klein. Ich übertreibe (hoffentlich).

    Mein Eindruck bei neuen Paaren ist häufig, dass sie an dem neuen Partner genug auszusetzen haben aber aus unerklärlichen Gründen trotzdem der Meinung sind, dass der richtige ist. So z B bei einer Freundin, die meinte, dass er ihr zu alt, falscher Kleidungsstil, zu viele Altlasten, etc hat. Er aber trotzdem ihr Herz erreichen konnte und bisher läuft es super. Der Stil hat sich schnell geändert, da auch er sich verändern wollte.

    Und da wären wir wieder bei den Anforderungen. Alles schön und gut aber am Ende muss man zugreifen, wenn man denkt, dass es passen könnte.

  4. Auch ja, bei “Ich bin Single aber nicht realitätsfremd” musste ich auch lachen 🙂

    Hach ja, das mit den Ansprüchen kenn ich doch auch nur all zu gut. Was mir jedoch jeweils noch durch den Kopf geht: Gefühle machen doch eh was sie wollen oder? Und diese entstehen wohl schneller, als dass man merken würde, was alles nicht passt. Ich habe auch meine Ansprüche, ähnlich wie deine, aber bin auch offen, denn Menschen im allgemeinen sind einfach sehr spannend.

    Ich wünsche dir weiterhin, dass du glücklich bleibst und vielleicht bald noch glücklicher wirst 🙂

    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Rahel

  5. Du sprichst aus der Seele! Den „Aufschrei“ habe ich fast gehört xD und dann habe ich mich im letzten Abschnitt 100000% wiedergefunden! 😉 Liebe Grüße!

  6. Ich habe es ausprobiert, mit dem Ansprüche runterschrauben. Mein Fazit: es lohnt sich nicht. Ich würde es nicht wieder machen. Es hat ich teilweise fast zerrissen. Und es ist auch dem Partner gegenüber unfair.

  7. „Doch warum soll ich mir meine zukünftige Beziehung denn schon bevor ich sie habe schwierig vorstellen? Was gibt es denn dann, auf das ich mich freuen kann?“… Einfach nur köstlich!!!!! 🙂

  8. Also zu den Ansprüchen:

    Nie wieder ein Freund, der nicht mitwandern will! NIE WIEDER!!!!!

    Und das ist nicht verhandelbar!! 🙂 (fast nicht) 😛

  9. WORD!! ich unterschreibe voll und ganz! Und ich bin auch so eine anspruchsvolle, selbständige, überaus glückliche Single-Frau. 🙂
    Bevor ich mich in eine Kopfwehpartie stürze, bleibe ich lieber alleine glücklich.

  10. Mhm der Text gibt mir wirklich zu denken.. Jeder wäre doch gerne 24/7 wirklich glücklich. Aber das ist wohl nicht möglich… Allerdings kann man das eigene glücklich sein auch nicht von jemand anderem abhängig machen, das wäre doof. Also sollte man schon selbst in der Lage sein auch alleine glücklich zu sein. Aber ich denke trotzdem den Großteil der Zeit, ist man einfach nur zufrieden und wenn man das von sich sagen kann, kann man sich doch schon glücklich schätzen.

    Das mit den Ansprüchen ist auch so eine Sache. Man hat immer so ein paar Idealvorstellungen die einem wichtig erscheinen. Aber wenn man genau drüber nachdenkt, ist es nicht der Kleidungsstil oder die Kockunst die man an dem Partner schätzt, sondern diese 10000 Kleinigkeiten, die einen lächeln lassen wenn man ihn/sie sieht.
    Allerdings glaube ich auch, dass es deshalb automatisch nur jemand sein kann, der diese Grundanforderung hat..Sei es jetzt mal Bildung, Höflichkeit, Verlässlichkeit..
    Dabei sind auch keine Anforderungen zu hoch-wichtig ist wohl nur, sich selbst nicht zu verlieren.

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