Push it real good!

Wahnsinnig viel zu tun zu haben ist zwar anstrengend, aber auch irgendwie hilfreich. Die letzten zwei Wochen waren so prall gefüllt mit Arbeit, Unternehmungen und sonstigen Sachen, dass Tim auf einmal weiter weg war. Ich weiß, dass es keine Langfristige Lösung ist, Dinge von sich wegzuschieben, aber erstens kann ich das nunmal ziemlich gut, und zweitens war ich es tatsächlich einfach satt, jeden Abend in den Telefonhörer und mein Kissen zu heulen. Ich sehe mit dicken Augen einfach scheiße aus. Also habe ich den Gedanken an Tim irgendwann weggeschoben, irgendwo abgelegt. In den letzten Tagen war ich mir nicht mehr so sicher, ob der Gedanke tatsächlich nur weggeschoben, oder ob er tatsächlich verschwunden ist.

Gedankenschwall

Der Gedanke an Tim ist wohl irgendwie vergleichbar mit einem Erdrutsch. Erst kullert ein kleines Steinchen den Berg hinunter, und dann rutscht der riesengroße Schwall dreckiger Erde hinterher. Gestern hat mich jemand auf Tim angesprochen. Ich war aus irgendeinem Grund der Überzeugung, ich könnte darüber sprechen. Kann ich nicht, das weiß ich jetzt. Ich kann schon, allerdings nur begleitet von einem fiesen Stechen in Herz und Magen, sowie wässrigen Augen und einer schniefenden Nase. Also fange ich an über Tim zu sprechen, mich dafür zu rechtfertigen, warum ich ihn nicht für das letzte Arschloch auf diesem Planeten halte, und mein Herz tut weh. Ich reiße mich zusammen, aber kaum bin ich zu Hause, bricht es aus mir heraus. Die Gefühle rutschen quasi nur so aus mir raus, klingt lustig, ist es aber nicht.

Lass mich!

Liebeskummertechnisch bin ich es gewohnt, kurz aber dafür hefig zu leiden, nur um dann festzustellen, dass es dafür eigentlich gar keinen Grund gibt, weil der Mann im Grunde nicht so toll war wie ich angenommen, und die Gefühle nicht so stark, wie ich sie eingebildet hatte. Irgendwie habe ich also ein bisschen darauf gehofft, bei Tim könnte es genauso sein. Vielleicht habe ich mich da in etwas reingesteigert, eben weil es so nah und so schön war mit ihm. Pusteblume. Wenn ich daran denke, dass er und ich nicht passieren werden, schnürt es mir heute immer noch genau so alles zusammen wie bereits vor drei Wochen. Mir wird schlecht, ich weiß auf einmal nicht mehr wohin mit meinen Gedanken. Zudem kommt dieses unglaublich starke Verlangen nach seiner Nähe, seiner Anwesenheit, sein Lachen zu hören, seine Arme um mich zu spüren. Und dann, wenn mir bewusst wird, dass alles was ich tun kann ist, mich damit abzufinden, dass mir nur die Erinnerung daran bleibt, will ich einfach nur, dass es aufhört. Ich will, dass die Gedanken aufhören, der Kummer, das Vermissen. Und dann verbanne ich die Gedanken wieder da hin, wo sie hergekommen sind.

Es muss so sein

Ich weiß. Es muss so sein. Liebeskummer gehört nunmal dazu, und da muss ich durch, wie jeder andere eben auch, der Liebeskummer hat. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass es scheiße ist, und auch nichts daran, dass ich verdammt nochmal will dass es vorbei ist. Irgendwie kam es mir vor wie ein Ruf des Schicksals, als auf meinem Zettel, den ich aus einem Glückskeks gefischt hatte stand: „Your wish will finally come true!“. Mein Wunsch ist es allerdings nicht, dass Tim mich nicht lieb hat. Es ist mein Wunsch, dass er es tut Herrgott, können diese Chinesen aber auch nichts richtig in die Wege leiten? Alle Zeichen schienen darauf zu weisen, dass das was wird. Zumindest habe ich mir das so zurechtgelegt. Und jetzt ist es nichts geworden. Auch wenn es so sein muss, dass ich jetzt allein mit meinem Herzschmerz dastehe, hoffe ich doch, dass es schnell wieder vorbei geht. Ich will ihn nicht mehr vermissen, zumindest nicht, wenn er mich nicht auch vermisst.

Verdrängen habe ich im Laufe der Jahre gelernt. Es ist nicht immer gut, denn irgendwann holt es mich wieder ein. Allerdings führt es auch dazu, dass ich zumindest an manchen Tagen ganz normal vor mich hin leben kann, ohne dieses ständige flaue Gefühl im Magen. Selbstschutz kann ich per se nicht. Die Verdrängungstaktik ist mein eigener kleiner Versuch, mein Herz ein wenig zu schonen. Und das darf ich.

xoxo_Carrie_2

© Rob Byron – Fotolia.com

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8 Gedanken zu “Push it real good!

  1. ja – das darfst du!! liebeskummer ist immer beschissen und zur weihnachtszeit am schlimmsten. aber der jänner steht vor der tür und wenn dieses ganze endjahresgesäusel vorbei ist, dann kommt meist ein bisschen energie zurück. ich drücke dir die daumen und wünsche dir gute glückskekse für 2014!

  2. Liebe Carrie, das mit dem Verdrängen ist wie mit einem dusseligen Software Update. Man kann es immer wieder wegdrücken und dann startet der PC genau in dem Moment neu, wenn man es so gar nicht brauchen kann. Analog diesem Beispiel kannst Du aber aufstehen und Dir einen Kaffee holen. Du kannst eine Freundin anrufen. Du kannst mit dieser unfreiwillig gewonnenen Freizeit auf einmal machen was Du willst. Das ist zwar doof und Du wirst keine Lust darauf haben. Aber mach Dir den Spaß und geh morgen auf die Kaufinger und schau Dir die genervten Paare und Eltern an, das gleiche noch einmal an Heilig Abend in der Kirche, wenn nur noch der schöne Schein gewahrt werden muss, während innerlich schon die Messer gewetzt werden. Dann halte kurz inne und denke dran, dass Du nächstes Jahr vielleicht ein bißchen und in den folgenden Jahren immer mehr zu dieser Gruppe gehören wirst. Denk daran wie Du mit 3 Kindern und Mann am Rockzipfel Dich einfach nur nach Ruhe sehnen wirst. Zeit für Dich. Und dann denk daran was Du alles noch machen willst bevor Dich der Beziehungswahnsinn für immer „verschlingen“ wird.

      • Das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite. Verbringe die Feiertage in Gedanken dabei, dass es für eine sehr lange Zeit Dein letztes Weihnachten alleine ist. Schreib ganz viel nur für Dich auf. Und wenn immer Dir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die Decke auf den Kopf fällt, dann kannst Du Deine eigenen Worte hervorholen und Du wirst wahrscheinlich schmunzeln, dass Du Dir den Zustand so herbei sehnen konntest.

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