Von Reue und zweiten Chancen: Vorhang auf für #4

Diese Sache mit der Neutralität mag für Jäger-und-Beute-Spielchen hervorragend geeignet sein, allerdings muss ich folgendes mit Entschlossenheit sagen: Es macht absolut keinen Spaß. Ich habe den Mann ein paar Mal getroffen, nun verläuft es sich im Sand. Keine Emotionen, keine Nähe, keine tiefergehenden Gespräche. Ich gebe zu, egaler könnte es mir wirklich nicht sein. Stattdessen  schiebt sich #4 wieder in mein Leben. Es ist Zeit #4 einen Namen zu geben. Wir nennen ihn Martin. Die Geschichte lautet wie folgt:

Einleitung

Ich treffe Martin zum Dinner. Ich treffe ihn nach einigen Nachrichten, Telefonaten, kurzen Zweifeln. Schon so oft habe ich Männer getroffen, die ein Prinz zu sein schienen, und dann allesamt als quakender Frosch davongehüpft sind. Auch wenn ich große Stücke auf meine Menschenkenntnis halte, muss ich zugeben, dass mich diese in puncto Online-Dating im Stich lässt. Ich verlasse also das Haus, gespannt auf den Mann, der da auf mich wartet und hoffe inständig, mir eine weitere Enttäuschung sparen zu können. Und dann steht er da und strahlt mich an. Eigentlich war es bereits zu diesem Zeitpunkt um mich geschehen. Der Abend setzt sich ebenso fort. Ich habe das bereits geschildert. Gutes Essen, guter Wein, wilde Flirterei und vor allem sehr viel Spaß. Er macht mir Komplimente, nicht diese, die mit auf einer Schleimspur angerutscht kommen. Versteckte Komplimente, immer begleitet von einem verschmitzten Grinsen. Ich bin verknallt. Martin fährt mich nach Hause, bringt mich zur Tür. Er umarmt mich, grinst mich an, und sagt er will mich wiedersehen. Ich liege im Bett, mein Herz rast, fühle mich wie 15.

Hauptteil

Martin lässt auf sich warten. Nach einer gefühlten Woche (in echt wohl nur ein Tag) habe ich seine Abfuhr auf meinem Handy Display. Auch wenn ich eine tolle und wundervolle Frau wäre, und unser Date mindestens ebenso wunderbar war, könne er sein Herz noch nicht öffnen. Es tut ihm Leid, vor allem weil er das Gefühl hatte, es könnte passen. Dachte, er wäre so weit, war es doch noch nicht. Ein dezenter Tritt in die Magengrube. Im ersten Moment bin ich unglaublich enttäuscht. Ich falle zurück in eine Phase des Selbstzweifels. Warum klappt es immer nur bei mir nicht? Was habe ich falsch gemacht. Warum rennt er so schnell einfach weg. Ist es vielleicht nur eine Ausrede? Und vor allem, warum bringt er mich dazu, mir diese Gedanken zu machen? Ich antworte kurz und bestimmt. Kein Gebettel, das habe ich nicht nötig. Warum ist der Mann so euphorisch um dann einen Rückzieher zu machen? Hätten dann nicht auch einige weniger Beteuerungen meiner Wunderbarkeit genügt? Ich wundere mich wirklich darüber. Wenn ich in einer Situation bin, in der ich oft verletzt wurde und mir nicht sicher bin, ob ich mich schon wieder binden kann, lasse ich es doch lieber langsam angehen.  Stattdessen wählt Martin die 0-100-0 Variante. Das ärgert mich. Und ich ärgere mich über mich selbst, dass ich mich so schnell mitreißen lasse. Martin wird gestrichen. Aus dem Telefon, nicht ganz aus den Gedanken.

Höhepunkt

„Hallo Carrie! Ich hoffe es geht dir gut.“ Irgendwo in den Schweizer Bergen sitze ich da und starre auf mein Telefon. Es sind ein paar Wochen vergangen. Die Euphorie ist verflogen. Ich hoffe es geht dir gut? Mir fällt keine schlaue Antwort ein, also antworte ich nicht. Noch bin ich kühl, immer noch verärgert. „Es tut mir wirklich leid!“ Aha. Wertvolle Information. „Wahrscheinlich habe ich dich so verärgert, dass du nicht mehr mit mir sprichst.“ Falsch. Ich weiß einfach nicht so recht, was du von mir willst. Also antworte ich ihm, frage ihn nach dem Grund seiner Kontaktaufnahme. Will er nur sein Gewissen beruhigen, oder steckt da etwas dahinter? Er habe viel an mich gedacht in den letzten Wochen. Das freut mich, jedoch verstehe ich immer noch nicht, was ich jetzt mit dieser Information anfangen soll. Herumschubsen lasse ich mich nur ungern. Er sagt mir, ich hätte einiges in ihm ausgelöst, ihn zum Nachdenken gebracht – und möchte sich dafür bei mir bedanken. Na das freut mich ja, dass wenigstens einem geholfen ist. Ich lasse das so stehen, denn ich als diejenige die aufs Abstellgleis gestellt wurde bin nicht die richtige Ansprechpartnerin für diese Gefühlsduselei. Ich weiß, dass er mich wiedersehen will. Aber wenn er glaubt, ich würde auf ihn zugehen … nein. Also mache ich einen Punkt. Ich erkläre ihm, dass ich ihn damals gerne wiedergesehen hätte, aber da er das nicht wollte ist die Sache nun eben so wie sie ist. Vorbei. Es gäbe einen Unterschied zwischen nicht wollen und nicht können, sagt er. Ja genau – für ihn. Für mich ist das Fazit dasselbe: Wir sehen uns nicht wieder. Ich spare mir weitere Kommentare und dann endlich rückt er mit der Sprache raus. Ob ich ihn eventuell nochmals treffen wollen würde. Von allen möglichen Antwortmöglichkeiten wähle ich schließlich die für mich einzig richtige: Die ehrliche. Ja. Schließlich will ich ihn ja wiedersehen. Seit so langer Zeit, hat es endlich mal wieder ein Mann geschafft, derartige Emotionen in mir auszulösen. Weggerannt ist er schon einmal. Jetzt bin ich gefasster, wenn er wieder wegrennt bin ich darauf eingestellt. Martin freut sich. Dann ist es 22:30. Mein Telefon klingelt. Schon beim ersten Wort aus seinem Mund fängt mein Herz an zu rasen. Er klingt ruhig, etwas bedrückt. Er entschuldigt sich, und versucht die Situation zu erklären. Martin hatte Schiss. Er hat gemerkt, dass da irgendwas ist zwischen uns, hatte Angst sich verletzbar zu machen, hat Panik bekommen, ist weggerannt. Dass das dumm war, gesteht er sich ein.

Schluss

Ich kenne diese Situation nicht. So verletzt worden zu sein, dass man Angst hat sich zu öffnen. Entweder wurde ich noch nie so sehr verletzt, oder mir fehlt einfach jegliche Form von Selbstschutz. Nichtsdestotrotz kann ich es verstehen. Ich verstehe, dass man irgendwann nach vielen schmerzhaften Rückschlägen vorsichtig wird. Martin hat seinen Weg gewählt mit dieser Tatsache umzugehen – durch Flucht. Die Dinge laufen eben so, wie sie laufen. Wenn er noch die Zeit, die Auseinandersetzung mit sich selbst  gebraucht hat, dann ist es eben so. Ich bin darauf eingestellt, dass er mit Vorsicht handzuhaben ist. Darauf kann ich mich einlassen. Ich schmunzle beim Gedanken an unser nächstes Treffen. Ja ok… ich freue mich wie Bolle! Wie und ob die Geschichte weitergeht weiß ich nicht. Wir werden sehen…

xoxo_Carrie_2

photo credit: _Mike_ via photopin cc

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16 Gedanken zu “Von Reue und zweiten Chancen: Vorhang auf für #4

  1. Viel Glück und die besten Wünsche für ein erfolgreiches, weiteres Date. Es wird mal an der Zeit, damit diese wunderbare Bloggerin über erfreuliche Zweisamkeiten berichtet.

  2. Option 1 scheint wieder abgesprungen zu sein…. viel Erfolg beim Date Option 2, ähem Carrie meinte ich natürlich…..

  3. Ich finde seine Erklärung einleuchtend und ehrlich gesagt auch sehr verständlich. Genieß‘ das Treffen! 🙂

  4. Ich wünsche dir viel Glück, hätte aber an deiner Stelle ernste Bedenken. So verständlich ein Einigeln nach einer Enttäuschung auch ist – ich finde das unreif. Das hatte ich erst, sowas bräuchte ich nicht nochmal. Von einem auf dem anderen Tag Schluss machen, weil man „Ich liebe dich“ gesagt hat… naja, an der Stelle mache ich mal nen Punkt :/

  5. Mahlzeit,
    spannender Blog. Danke dafür erst einmal.

    Interessant, ich war vor vier Wochen in der selben Situation, nur dass die Reaktion nicht nach einem Date, sondern nach 4 Wochen intensiver Beziehung kam. War eher beschissen. Meiner Erfahrung nach ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Beziehung langfristig funktioniert, nachdem diese Art beziehungstechnischer Altlasten zur Sprache gekommen ist, sehr gering, da man ab diesem Zeitpunkt eine Unsicherheit permanent mit sich herumträgt und so eine Art selbsterfüllende-Prohezeiungs-Situation erzeugt.

    Schwierig, schwierig. Ich drück die Daumen!

    PS: Warum habe ich eigentlich ein pinkes Hakenkreuz als Avatar????

    • Hallo 🙂

      Ich verstehe was du meinst. Im Moment weiß ich nur, dass ich ihn mag und dass ich ihn gerne besser kennenlernen würde. Vielleicht fliege ich dabei auf die Schauze, aber das Risiko gehe ich ein.

      PS: Das ligt im Auge des Betrachters .-)

  6. Ohhh, diese Situation hatte ich vor kurzem in ähnlicher Form. Ich habe auf sein „Ich bin noch nicht bereit für etwas Neues:“ dann mit vier Tage heulen reagiert. Das ist jetzt fast zwei Monate her und ich hoffe immer noch täglich, dass er sich meldet…
    Ich hoffe, bei dir läuft es ab jetzt besser mit ihm!

  7. Pingback: Mein 2013 – 13 wichtige und unwichtige Fakten | Is it Love?

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