Punktlandung in Turnschuhen

Ihr merkt was. Ausgehen ist neuerdings mein Ding. Warum auch immer hat sich meine Abneigung gegen Clubs und sonstige überfüllte Orte mit Saunatemperatur etwas gelegt. Etwas. Noch bin ich nicht in die Kreise der Dauerpartygänger aufgenommen. Ich denke, mein alternder Körper würde es mir auch nicht verzeihen. Nun ist also Freitag, und ich freue mich auf einen gemütlichen Abend bei meiner Freundin (KEIN Dauerpartygänger, sage ich doch). Viele Pullen Wein, viele Zigaretten, viel Gejammer über das Männerpack und ihre Macken.  Das wird hervorragend!

Watch this Space

Ich freu mich wie Bolle. Endlich mal wieder ein Abend, an dem ich nicht zuvor stundenlang im Bad verbringen muss. Schlabberpulli an, Bequemojeans und Stoffsneaker. Haare kurz mit einem Haarband zu einem pinselartigen Etwas auf dem Kopf  zusammengebunden. Make up der Variation „ich-geh-mal-eben-zum-Tengelmann“ ins Gesicht und los. Zu allem Überfluss ist es popokalt. Auf dem Weg bimmelt mein Handy. „Habe Sebastian und Tanja auch mit eingeladen“ – kein Problem, denke ich mir, wenn wir Weiblein Weinbleinthemen diskutieren kann eine Männermeinung niemals schaden. Ich betrete die Wohnung und sehe sofort: Sebastian ist heiß und ich vollkommen underdressed. Etwas entgeistert starrt der im feinen Hemd gekleidete Mann auf meinen Busen, auf dem in übergroßen Lettern (auf meinem übergroßen Pulli) „Watch this Space“ geschrieben steht. Übel kann ich es ihm nicht nehmen, er hat ja schließlich nur die Anleitung befolgt. Das fängt ja super an. Wir trinken, wir essen, wir reden. Sebastian ist heiß – natürlich vergeben. Ich gebe zu, bei der Auswahl der Männer die mir gefallen greife ich mittlerweile gekonnt daneben. Ins Klo, ihr wisst was ich meine. Auch mit der Treue hat Sebastian es wohl nicht so. Als er erzählt, wie er seine Neue im Urlaub mit der Alten klargemacht hat, blende ich seine Sexyness aus. Das ist nichts für mich.

Be spontaneous

Es ist spät, ich habe schon das erste Mal gegähnt, Marlene ist zu Hause und mir steigt der Wein zu Kopf.  „Wir sollten noch ausgehen“ schlägt Sebastian vor. Echt jetzt? Ich bin vollkommen falsch angezogen! Und müde! Und falsch angezogen! Mein Terror wir übergangen und 15 Minuten später sitze ich (immerhin mit einem Leihtshirt meine Freundin) im Taxi. Wir gehen ins Paradiso. Die allgemeine Meinung besagt, ich würde da <<auch so>> reinkommen. Unverschämtheit! Ich komme auch so rein. Es ist knallevoll, unwahrscheinlich heiß und die Bar ist für meinen Geschmack viel zu weit hinten. Ich quetsche mich also durch die tanzenden Massen und bestelle mir einen Gin Tonic. Meine Laune hebt sich, die Musik ist endlich mal tanzbar. Also versuche ich, wohlwollend darüber hinwegzusehen, dass ich von meinem voll bezahlten Getränk nur die Hälfte genießen kann, da die andere wahlweise auf mir oder dem Boden einen neuen Platz findet. Egal. Wir tanzen, trinken, haben Spaß. Sebastian findet es zu voll. Salsa Club gleich um die Ecke. Die Weiber trotten hinterher. Wiederstand funktioniert nicht mehr. Bravo bravo. Ein Salsa Schuppen. Was soll’s. Was man nicht gesehen hat, kann man nicht beurteilen.

Suavemente

Hier bin ich tatsächlich underdressed. Viele sehr gutaussehende Frauen in sehr hohen Schuhen und sehr figurbetonten Outfits. Aber die Musik gefällt mir, also stelle ich mich mit meinem Cuba Libre an die Seite und wippe ein bisschen vor mich hin. Kaum habe ich einen Schluck genommen, steht ein kleiner Spanier vor mir, der mich auffordernd angrinst. Warum nicht, ein bisschen mit dem Popo wackeln hat noch nie geschadet. Ich kann zwar keinen einzigen der lateinamerikanischen Tänze (außer den Mambo Grundschritt aus Dirty Dancing) aber irgendwie scheint das auch keine Rolle zu spielen. Irgendwann leider wird der feurige Lover mir allerdings doch zu aufdringlich. Nach zwei deutlichen Aufforderungen, seine Hände von meinem Hintern zu nehmen, naht Rettung. In Form eines gutaussehenden jungen Mannes. Selbstbewusst erklärte er seinem Vorgänger, dass er gefälligst die Biege machen solle. Wie heldenhaft. Also tanzen wir, bestimmt eine Stunde lang. Immer wieder ganz nah, dann wieder nicht. Ein herrliches Spiel. Ich bin auf nichts aus. Da auch die anderen wieder zurück zu Location eins wollen verabschiede ich mich galant mit einem kleinen, Kuss und gehe meines Weges. Leute! Wenn das mal nicht Real Life Flirting ist weiß ich’s auch nicht! Es geht! Unfassbar.

Cheers! Ich bin übrigens…

Ehrlich mal, ich bin beflügelt. Jetzt genau in diesem Moment denke ich, ich könnte alles schaffen. Als wir an der Bar stehen und Getränke bestellen, fallen mir zwei Männer auf. Und auf einmal, einfach so, ohne zu überlegen, spreche ich sie an. Ohne mir vorher ganz genau zu überlegen, was ich sagen soll oder was er wohl von mir denken könnte wenn ich einfach so auf ihn zugehe. Alkohol verbindet, zumindest der Vorgang des Anstoßens. Das funktioniert, muss ich mir merken. Und schon wieder bin auf nichts aus. Es reicht mir ungezwungen zu sein, Spaß zu haben, und ein bisschen zu flirten. Und ich merke erneut, dass ich angekommen bin. Vielleicht hätte ich Mr. Salsa mit nach Hause nehmen können. Ziemlich sicher sogar, denn er hat mich gefragt. Aber ich wollte einfach nur den Moment genießen und gehen wenn ich keine Lust mehr habe. In mir macht etwas einen Luftsprung. Und dann dieses Lied… der Abend ist perfekt!

Ich bin erstaunt, als meine Freundin auf einmal andeutet, sie würde jetzt gerne mal nach Hause gehen. Normalerweise bin das ich. Bekanntlich soll man ja gehen, wenn es am schönsten ist. Also verabschieden wir uns, fahren heim und schlafen selig und bedüselt ein.

xoxo_Carrie_2

Advertisements

16 Gedanken zu “Punktlandung in Turnschuhen

  1. „Watch this Space“ – ich lach mich schlapp. Den tollsten Männern begegnet man aber echt immer, wenn es am unpassendsten ist. Z.B. mit dicker Wollmütze beim Klopapierkauf, ich weiß wovon ich spreche 😉 Auf jeden Fall wie immer ein sehr amüsanter Artikel! LG Martina

  2. PS: lass es krachen, so lange es Spaß macht. Die Zeiten zum an der Stange tanzen sind irgendwann vorbei. Nicht, dass das schade wäre. Es gibt ja immer für alles seine Zeit. Aber man will ja hinterher vorher nichts verpasst haben. 😉

  3. Herrlich witzig geschrieben, wie es wohl vielen Frauen da draußen geht. Doch das Selbstbewusstsein ist sicher auch nach dem Wein, Gin Tonic und dem Cuba Libre gestiegen 🙂
    Au revoir!
    Mia Nele

  4. Lustigerweise wirkt man meistens am besten, wenn man nicht aufgestylt ist. Keine Ahnung warum. Vielleicht weil es einem in dem Moment egal ist, wie man wirkt. Oder wie du es so schön sagst: Ich bin auf nichts aus 😉

  5. Wenn sich in der Seele und im Herzen eine tiefe Gelassenheit bemerkbar macht, und einem der kurzen Augenblick, den man in diesem Moment erlebt, tiefe Freude bereitet, dann hat man einen einzigartigen Punkt erreicht.

    Eine innere Zufriedenheit und ein Glücksgefühl setzt ein, welches man vorher niemals zu schätzen wusste.

    Ich freue mich für Dich !!!

    Jetzt bist Du an einem Punkt angekommen, wo einem das Herzensglück hold sein wird.

    Geniesse diese Momente, das Glück klopft an Deine Türe und wartet nur darauf ,hineingelassen zu werden.

    Du wirst Momente erleben, wo Dein Glück in Deine glitzernden Augen schauen und die Zeit stillstehen werden.

  6. Die Zeit schien still zu stehen.
    Die Welt hörte auf, sich zu drehen.
    Wir waren die Mitte des Universums.
    Eine laute Stille der Liebe umgab uns.
    Wir haben uns gefunden.

    Diese Erfahrungen wünsche ich Dir.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s