Romantische Gefühle im Hund

Sportlich kann ich mittlerweile. Wisst ihr ja. Ich lasse mich auch zu fast allem überreden. Aber Yoga?? Ich war einmal im Yoga, eingepfercht zwischen 41 anderen Yogaisten im Trainingsraum meines Fitnessstudios. Vorne eine blöde, dürre Kuh, die ihre Beine in nur jede erdenkliche Richtung verknoten konnte. Und mittendrin: ICH. Die Gruppe entspannt im „Adler“ zu stimmungsvoller Musik und ich falle um. Man zeigte mir durch Blicke deutlich, dass ich leicht störe. „Du musst das Bein ganz an den Körper ziehen so wie ich, sonst bringt das nichts!“ sagte die Verknotungsfrau. Ich machte ihr deutlich, dass ich dies wohl auch machen würd, würde ich wie sie 39 Kilo wiegen. Blöde Kuh, blödes Yoga.  Einer weiterer Punkt auf meiner „dafür-bin-ich-nicht-der-Typ-Liste“.

Einsame Seele – schwacher Geist

Ich bin definitiv schon zu lange Single.  Das merke ich daran, dass es nur ein Argument benötigte, mich von meiner Freundin zur Yogastunde überreden zu lassen: Der Trainer sieht unglaublich gut aus. Ich finde das reicht vollkommen aus, um der Institution Yoga noch eine Chance zu geben. Früher in der Schule haben wir schließlich auch immer gesagt „es liegt am Lehrer“, wenn wir gut oder schlecht waren. Das zählt auch noch wenn wir erwachsen werden. Also gehe ich zum Yoga. Natürlich statte ich mich vorsichtshalber mit Yoga Klamotten aus, auch wenn die Gefahr besteht, dass ich nie wieder hingehe. Sportlich aussehen ist die halbe Miete. Die Sachen kann man gut auch als Hausdress verwenden, schön gemütlich sind sie ja. Mein Tag meint es nicht gut mit mir. Jeder will was von mir, ständig klingelt das Telefon, die Welt nervt mich.  Welch wunderbare Voraussetzung für eine Yoga Stunde. Ich hetze, ich renne, sitze atemlos im Bus und komme natürlich trotzdem wie immer viel zu früh. Dann gehts los. Hinterhof, kleine Hütte – mal sehen ob das hält was die Freundin verspricht.

Hund Katze Maus

Mein erster Blick beim Betreten des Studios fällt auf ein gut aussehendes, lächelndes Gesicht, das mich durch einen tibetischen Gebetsteppichvorhang anstrahlt. „Das isser“ flüstert K. mir zu. Mir fallen spontan vierunddreißig Dinge ein, die ich lieber mit ihm machen würde als Yoga. Aber gut, dafür bin ich ja nicht hier. Wir ziehen uns um und betreten den Raum. Angenehme Atmosphäre, ein paar Kerzen, gedimmtes Licht, leise Musik. Ich entspanne mich und stelle fest, weise genau die Matte neben dem Guru ausgewählt zu haben. Entspannung im Schneidersitz funktioniert bei mir nicht, da ich noch viel zu beschäftigt damit bin, darüber nachzudenke, was ich wohl machen werde wenn ich mich nachher blamiere. Egal. Wir atmen tief eeeeeeein und wieder aus. Dann kommt der Hund. Wer den Hund nicht kennt: ich nenne es Dreieck. Hände und Füße auf den Boden, Po in die Luft. Sieht einfach aus, ist es aber nicht. Fersen auf den Boden. Laaaaaaang in den Schultern… Bereits nach 30 Sekunden habe ich das Gefühl, ich würde mir die Schultern auskugeln. Mir läuft Schweiß über die Stirn. Verdammt ist das anstrengend. Ich schaue rüber zu K. Ihr gehts nicht besser – wenigstens etwas. Und dann vom Hund in den Sonnengruß und wieder zurück. Der Hund ist die Ausruhposition…schon klar. Ich ruhe aus wenn ich sitze. Mr. Hot geht langsam durch den Raum und erklärt mit seiner ruhigen und unfassbar sexy klingenden Stimme ganz genau was zu tun ist.

Schnappatmung

Tief ein und ausatmen… zugegeben, das fällt mir irgendwann gar nicht mehr so leicht. Nach der x-ten Wiederholung der Übung bekomme ich ein bisschen wacklige Knie. Ich sollte mich ausruhen, aber die Blöße gebe ich mir nicht. Also ruhe ich mich im Hund aus, wie sich das für Yogahasen so gehört. Meine Augen sind geschlossen, aber ich merke, wie er mir näher kommt. Er korrigiert die Position meiner Hände, legt seine Hand vorsichtig auf meinen Rücken, um mich noch ein bisschen weiter Richtung Boden zu drücken. Schöner Schmerz. Er geht um mich herum, und umfasst meine Hüfte mit beiden Händen. Tief atmen funktioniert nicht mehr. Schnappatmung setzt ein. Vorsichtig korrigiert er meine Position, und hält mich so fest. Ich spüre seine warmen Hände und bekomme Gänsehaut am ganzen Körper. Scheiße macht mich das gerade an, ist das denn zu fassen? Meine Beine fangen kraftlos an zu zittern, und da ist die Übung auch endlich vorbei. Größere Blamage abgewendet. Ich sitze zufrieden auf meiner Matte und grinse vor mich hin. Bei der nächsten Übung mache ich absichtlich was falsch 🙂 Mache ich natürlich nicht, ein bisschen beeindrucken will ich ja schon, jetzt wo ich es immerhin schaffe, nicht bei jeder Übung auszusehen wie ein trampeliges Nilpferd. Meine Gedanken schweifen ab. Ihr wisst wo hin.

Namaste

Nach 90 Minuten ist die Reise zu Ende. Ein bisschen Meditation rundet den Abend ab. Ich bin ja nicht so der Meditierer, dafür denke ich viel zu viel nach. Also liege ich da und phantasiere vor mich hin. Ich blinzele kurz und sehe, dass er nochmal zu jedem einzeln geht. Er umfasst meine Schultern und drückt sie zu Boden. Sein Gesicht direkt über meinem. Ein vorsichtiges Schmunzeln kann ich mir natürlich nicht verkneifen. Als ich meine Sachen zusammenpacke spricht er mich an. „Sehr gut gemacht, dafür dass du das erst einmal gemacht hast. Hast du mal getanzt?“ Ich werde auf einen Schlag rot und stammele irgendwas von „ja früher mal ein kleines bisschen“ vor mich hin. Man würde es meinem Körper ansehen. Sehr geschmeidig und flexibel. Uaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah! Er findet meine Bewegungen geschmeidig!! Lob, Lob, Lob! In meinem Kopf spring ein kleiner Elf auf und ab und vollführt einen Freudentanz. Gelassenheit ausstrahlen kann ich mittlerweile. Also lächle ich ihn danken an, nicke, hauche ihm ein „Namaste“ entgegen und gehe. Ob ich wiederkomme? So was von!

xoxo_Carrie_2

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6 Gedanken zu “Romantische Gefühle im Hund

  1. Dieser heutige Blog sorgte für ein angenehmes Gefühl der Freude. Für den Hund gibt es nun für mich folgende Assoziationskette: Hand an der Hüfte von Carrie durch den sehr attraktiven Yoga-Guru.

    Ich muss immer noch lachen.

    Danke für diese Erheiterung.

  2. Na weiterhin viel Spaß.

    Der heiße BodyPump-Trainer von mir erweis sich bei Absolvieren des Kurses als Mischung zwischen Kiffer und Surferboy mit einem Nebenjob auf der Kirmes… 😉

  3. Ohh! Ich hatte eigentlich auch geplant, nachdem mein Knie verheilt ist, mit Yoga anzufangen und dann las ich deine ersten Sätze und dachte „Shit! Wenn sie schon dabei keucht, werde ich als unsportliche Nudel (also eher ne Penne als Spaghetti…) sicher ins Koma dabei fallen…“ und dann habe ich weitergelesen und dachte „Oh…schicker Yoga Trainer….klingt gut – ABER, zu mir würde man dann wohl sicher sowas sagen, wie „Na, wann haben wir denn das letzte Mal Sport gemacht?!“ Ohje, ohje…vielleicht sollte ich doch lieber Gymnastik zuhause vor´m Fernseher machen… 😉

    • Hahaha ich musste gerade herzlich lachen. Ich bin auch eine Penne. Und die Sportlichkeit in Persona bin ich auch nicht. Probier es mal aus 🙂 Am besten dort wo der Trainer gut aussieht

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