Operation „Single“ – Phase 6 im Blickpunkt

Das Single Dasein hat so viele Facetten. Wir sind traurig, heulen nächtelang unsere Kissen voll, und wünschen uns, die Welt würde morgen untergehen. Ganz dringend. Wir fangen uns wieder, gewinnen neues Selbstbewusstsein, und strahlen. Wir sind zufriedene Singles. Wir beginnen, uns wieder nach dem anderen Geschlecht umzusehen, ein paar Dates, ein paar Küsse, ein paar heiße Nächte. Wir sind ungebunden und frei, und genießen das in vollen Zügen. Wenn dann aber nicht irgendwann mal ein potentieller Partner nachrückt, klopft schnell das Freundchen Frust an die Tür. Mit schlechten Nachrichten. Wir werden übrigbleiben, niemals die Liebe unseres Lebens finden. Dann heulen wir wieder. Und die Geschichte geht von vorne los. Schaffen wir es, den Teufelskreis zu durchbrechen, kommen wir irgendwann an. In der berühmten Phase 6: Die Versingelung – auf kurze Panik folgt nur Gutes. In sich ruhen. Sich selbst genügen.

Macho oder Frauenversteher?

In vielen Lebenssituationen ist es durchaus förderlich, zu wissen was man will. Ich weiß das meistens, zumindest grob. Auch in der Liebe war ich mir immer sicher, genau zu wissen was ich will. Neben generellen Voraussetzungen wie Treue versteht sich. Humorvoll soll er sein. Er soll verständnisvoll sein, aber kein Jasager. Er soll mir die Stirn bieten können, aber nicht rechthaberisch sein. Er soll genau wissen, wann er mir Recht geben, oder mich herausfordern soll. Er soll liebevoll und zärtlich sein, aber mir auch den Arsch versohlen können wenn es nötig ist. Er soll sich Jahrestage merken können, mir aber nicht das Gefühl geben, er könnte das besser als ich. Er ist schließlich ein Mann. Er soll wissen was er will, aber auch, wann es besser ist das zu wollen was ich will. So habe ich mir das perfekte Bild einer eierlegenden Wollmilchsau erschaffen. Nur eben im knackigen Körper eines ca. 1.78m großen Mannes. Bisschen Bart. Gerne Brille. Er und ich. Das wird was. Liebe, Hochzeit, Haus, Hund, Zaun, Kind. Bis ans Ende.

Extrem muss es sein

Ich enttäusche euch nicht, wenn ich sage, dass es diesen Mann nicht gibt. Und wenn doch, versteckt er sich gut. Wir alle wissen, dass ich von einer Utopie rede. Irgendwas ist immer. Wir Singles schwanken zwischen Extremen. Frisch gebackene Singles wollen zunächst mal keinen Mann.  Am besten nie mehr wieder. Sind sowieso alles Chauvinisten Schweine. Egozentrische, betrügende Arschlöcher. Langzeitsingles suchen dann nach dem Übermann. Ich will die Männer nicht vernachlässigen. Auch die sind auf der Suche, und oft ist ihr Bild der optimalen Frau nicht weniger realitätsfern als das der Frauen. Der Übermann ist ein Alleskönner. Und wir wünschen ihn uns von Herzen. Denn nur er vermag es immer genau im richtigen Moment das Richtige zu tun.  Mit wem sonst würden wir den Rest unseres Lebens verbringen wollen?

Das unausgesprochene Extra

Mit dem Gedanken an diesen einen, unfassbar gut zu mir passenden Mann, gehe ich also auf Dates. Und keiner erfüllt die Erwartungen. Mich wundert das – zunächst. Zu schüchtern, humorlos, grundverschiedene Lebenseinstellungen, seltsamste sexuelle Vorlieben. Die Liste der Ausscheidekriterien ist endlos. Und dann sitze ich einem Mann gegenüber der im Prinzip grundlegend das verkörpert, was ich in einer Beziehung suche. Wir sprechen über Lebenseinstellungen, Zukunftswünsche, Beziehungsvorstellungen. Auf meiner gedanklichen Checkliste hake ich einen Punkt nach dem anderen mit dickem, grünen Edding ab. Passt. Trotzdem gehe ich nach Hause und fühle mich unwohl, als würde etwas nicht stimmen. Liegt das an mir? Panik macht sich breit. Liegt es daran, dass ich vielleicht daran, dass ich keine Beziehung mehr führen kann? Wir treffen uns erneut. Die Checkliste wird weiter abgearbeitet. Aber es fehlt etwas. Es fehlt etwas, das man nicht in Worte fassen kann. Das kleine Extra. Herzklopfen.

Phase 6 angeknipst

Es hat einfach nicht klick gemacht bei dem Mann. Bei mir hingegen schon. Auf einmal ist alles sonnenklar. Endlich, nach einer langen Zeit des verzweifelten Suchens nach dem zukünftigen Mann meiner Kinder habe ich zum ersten Mal einfach nur nach Gefühl entschieden. Habe mir nicht gedacht, dass er ja eigentlich ganz nett ist und ich es trotzdem versuchen sollte. Vor allem bin ich mir selbst treu geblieben.

Natürlich wäre ich immer noch gerne zu zweit. Der Knackpunkt ist, dass ich nicht mehr LIEBER zu zweit wäre. Ich habe mein Leben so eingerichtet, dass ich mittlerweile ziemlich gut mit mir selbst zurechtkomme. Ich habe mir vorgenommen, mehr zu machen – statt immer nur darüber zu reden. Und ich setze es tatsächlich um. Ich gehe regelmäßig zum Sport, ernähre mich gesünder. Ich gehe öfters aus und mache vor allem auch endlich einmal Dinge von denen ich sonst immer ungesagt behauptet habe „da bin ich nicht der Typ dazu“. Na klar bin ich der Typ dazu. Und es macht Spaß. Ich bin zufrieden. Mit mir selbst und meinem Leben. Denn ich versuche nur das zu tun, was gut für mich ist. Keine Sorge, ich mutiere nicht zur Egosau, da fehlt mir die genetische Veranlagung. Ich höre auf mir den Kopf zu zerbrechen über Dinge, die ich nicht beantworten oder beeinflussen kann.  Wie wunderbar es sich anfühlt, wenn diese Last von einem abfällt.

Und die Männer? Ich kann mir noch so viel wünschen – und dann kommt alles anders. Was am Ende entscheidet ist doch einzig und allein das Gefühl. Und da ich das nicht beeinflussen kann, lehne ich mich entspannt zurück, gönne mir ein Gläschen Prosecco und freue mich auf das was passieren wird. Es wird toll, denn ich bin dabei.

xoxo_Carrie_2

© iko – Fotolia.com

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15 Gedanken zu “Operation „Single“ – Phase 6 im Blickpunkt

  1. Nach einer Endlosschleife von Phase 1 bis 5 bin ich nun in Phase 6 angekommen. Und ich wundere mich – über mich selbst. Immer wieder! Das erste mal seit langem will ich eigentlich lieber alleine sein und bin mir selbst genug. Und das beste: Ich habe mich bewusst dafür entschieden. Ich bin nicht mehr auf der Suche und konzentriere mich auf alle möglichen Dinge – nur nicht mehr auf Männer. Wenn’s doch passiert, dann passiert’s halt. Aber meine Prioritäten liegen momentan woanders. Und das ist auch gut so 😉

    • Das ist nicht nur gut so sondern genau richtig! Ich habe immer über die gelacht, die gesagt haben, dass man den Traummann findet wenn man ihn nicht mehr sucht. Ich habe immer darüber geschmunzelt. Und jetzt? Jetzt glaube ich daran, und das zu 100% 🙂

      • Ich habe diejenigen immer belächelt, die gesagt haben, dass sie nicht suchen. Ich dachte nur: klaaar, labert ruhig! Aber jetzt geht’s mir so. Wobei es auch Zeiten gibt, wo ich schon gerne jemanden hätte und ein bisschen einsam bin. Aber die gehen auch wieder vorbei 😉

  2. Ich bin ja immer ein Bischen skeptisch, was logische Vorüberlegungen angeht. Die sind zwar klasse, nur am Schluß werden die doch über Bord geworfen, wenn Amor seine Pfeile verballert.

  3. Wie Du uns an Deinem Single-Dasein teilnehmen lässt, finde ich einfach klasse. In der Tat ist es so, den Traummann oder die Traumfrau sich nicht zusammenstellen zu können. Die Liebe ist kein Rezeptbuch, wo Mann oder Frau nach den eigenen Vorstellungen gebacken werden kann. Mit irgendwelchen Vorstellungen baut man vorher schon irgendwelchen Druck auf, der jedes Gefühl im Keim erstickt.

    Das Schönste an einem ungezwungenen Date ist doch irgendwann der Punkt, wo beide sich tief in die Augen schauen, das Herz anfängt schneller zu schlagen, die Beine nachgeben, sich das Gefühl breit macht, die Heimat tausender Schmetterlinge zu sein. Ein Kuss, der den Pfeil Amors noch tiefer ins Herz drückt.

    So habe ich die Verliebtheit in Erinnerung. Ein angenehmes und unbeschreibliches Gefühl, welches man am Liebsten konservieren möchte.

    Wenn nun später aus der Verliebtheit eine tiefe Liebe wird, dann hast Du, ohne es zu wissen, Deine Liste unbewusst abgearbeitet. Warum sich schon vorher darüber Gedanken machen ?

    Gib den Männer eine Chance.

    Du bist auf dem besten Weg, Deine nächste Liebe zu finden.

    Warum ?

    Du bist mit Dir glücklich. Du schaust in den Spiegel und fühlst Dich wohl. Dein Leben ist ein grosser Fluss, auf dem Du Dich unter hellem Sonnenschein treiben lässt. Unverhofft treibt Dich diese tiefe, innere Zufriedenheit ans Ufer, wo Du am Ufer der Liebe anlegst.

    Mit diesen Worten warte ich auf Deinen nächsten Blog. Schön.

  4. Ich kann das gut nachvollziehen. Ich bin auch seit 10 Jahren Single (in der Tat wollte ich in den ersten 5 Jahren auch keine Beziehung – natürlich auch kein One-Night-Stand und eine Affäre erst recht nicht) und immer wieder auf am Gucken und so, aber irgendwie hat es nie geklappt. Entweder sind meine Hobbys nicht gut genug oder ich mache zu viel oder sonst was – irgendeinen Kritikpunkt wurde anscheinend bei mir immer gefunden.

    Umgekehrt muss ich sagen, dass ich mir auch selten so richtig schlüssig war. Das Problem ist, dass ich früher als junger Mann oder als Junge mich im Prinzip sofort verliebt habe und mir alles vorstellen konnte (heimlich), jetzt finde ich alle erst einmal nett (nicht das böse nett) und man kann sich gut unterhalten und großartig denke ich mir nichts dabei und würde auch gerne jemanden über einen etwas längeren Zeitraum kennen lernen wollen. Erst einmal einige Treffs machen, von mir aus erst im Café und dann darüber hinaus (Ausflüge und etc..), aber das hat wohl nichts mit der Realität zu tun, denn die meisten, so habe ich den Eindruck können es nicht schnell genug haben.

    Man liest ja auch in einigen Frauenforen, dass sich die meisten Frauen schon nach dem ersten oder dem zweiten Treff sich angeblich total verliebt haben.

    Leider habe ich eher das Gefühl, dass bei den meisten eher die Ausrede oder der Korb „Ich habe keine Zeit, ich habe so viel vor, vielleicht im nächsten Monat“ gilt.

    Im Allgemeinen bin ich schon viel unterwegs, spiele Badminton im Verein – nehme auch an Turnieren teil, lerne in der VHS derzeit Französisch, habe auch dort Spanisch gelernt, gehe zu verschiedenen Stammtischen hin und natürlich mache ich auch vieles mal mit einem guten Freund, mit meinem Vater und auch alleine.

    Was ich allerdings nicht mehr mache, ist sowas wie Disco (das habe ich mal vor ca. 6 Jahren gemacht, aber ich habe das Interesse verloren alleine dorthin zu gehen) – ich bin auch leider keine Nachteule, so dass ich die Nächte schaffen könnte.

    Angeblich sollen Frauen ja auch mal ihre vielen Wünsche von einem Mann ablegen, wenn er sie verzaubert. Wenn das so ist, dann bin ich für sehr viele Frauen, sehr uninteressant.

    Vielleicht ist es auch ein Fehler von mir, dass ich eine Beziehung als „nice to have“ und kein „must have“ ansehe, also wenn es passiert, ist es schön, aber wenn es nicht passiert, dann ist es auch nicht weiter tragisch, denn ich bin auch so glücklich. Nur wie erzählt man das seinem eigenen Vater, der wohl seit Jahren panische Angst hat, dass sein Sohn keine neue mehr abgekommt?

    • Lieber Sven,

      danke für den ausführlichen Kommentar 🙂 Ich arbeite das mal in kleinen Schritten ab.

      Es hat immer nicht geklappt? Vielleicht liegt das auch einfach daran, dass die Richtige für dich noch nicht dabei? Natürlich ändert sich die Art und Weise, wie wir Beziehungen führen. Und auch wie wir sie beginnen. Ich glaube, wenn man länger keine Beziehung mehr hatte weiß man auch schlichtweg nicht mehr wie das funktioniert. Man stellt sich etwas vor, hat Erwartungen und meist kommt dann alles ganz anders. Ich finde es wunderbar wenn man sich Zeit lässt, gebe auch zu, dass ich ab und an ein bisschen den Zwang habe, die Dinge zu definieren. Einfach und allein aus dem Grund, dann ich die Erfahrung gemacht habe, dass eine Sache, die nicht irgendwann als Beziehung oder ähnliches definiert wird, schnell als verpflichtungsloses irgendwas endet. Und das suche ich nicht. Verstehst du was ich meine?

      • Die ich so bislang getroffen habe, es waren nicht so viele – ich hatte auch schon mal 2 Jahre keine Dates – waren wie gesagt, nett, aber alles Leute, die ich gut verstanden habe so zum Unterhalten, als guter Kumpel halt, aber es hätte aus unterschiedlichen Gründen nicht geklappt. Keine Ahnung, man hat sich gut verstanden, es war aber trotzdem nicht die richtige Wellenlänge vorhanden.

        Ja so ungefähr verstehe ich was du meinst. In der Regel ist es auch so, dass die meisten Kontakte ganz verloren gingen, wenn man nicht irgendwo was gemeinsames hätte, was einem wie auch immer zusammenhält.

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