Die Invasion der Wooooohoo-Girls

Einer Horde wildgewordener Dorfbewohnerinnen. Lautes Gekreische. Der Raum ist getaucht in Neonfarben aller Art. Und dann kommt er: Dschorscho. Die Menge bebt, Frauen fallen in Ohnmacht und nur ich habe meinen persönlichen Sanitäter dabei. Was ich hier mache? ZUMBA, was sonst? Aber ich beginne von vorne.

In einem kurzen Anflug von übermäßiger sportlicher Motivation stimmte ich vor einigen Wochen zu, meine Freundin und ihre Schwester zu einer Zumba Party zu begleiten. Drei Stunden, viele Weiber, heiße Trainer, kostenfreier Cocktail. Warum nicht? Wir werfen uns also in unser schickstes Sportoutfit und auf geht’s aufs Land.

Kleider machen Leute

Erste Feststellung vor Ort: ich bin absolut (so was von absolut) underdressed für dieses Event. Ihr fragt euch zurecht, wie man beim Sport underdressed sein kann. Ich verziehe mich etwas beschämt in eine Ecke um meine superschnittigen Dance-Schuhe (und die hatte KEINER…pah) anzuziehen, und das anwesende Publikum ausgiebig zu begutachten. Gefühlte 120 der anwesenden 150 Frauen sind von oben bis untern in Zumba gekleidet. Zumba Hose, Zumba T-Shirt, Zumba BH, Zumba durchsichtiges Überwurfshirt… alles mit Flatterbändchen UND in Neonfarben. Ich als bekennende dezende-Farben-Trägerin bin minimal geblendet.  Unterstrichen werden diese farbenfrohen Outfits von ebenso farbenfroher Gesichtsbemalung. Etwas sprachlos stürzen wir drei uns dann ins Getümmel der hysterischen Damen, die größtenteils in die Schublade „Dorf-Weib“ geschoben werden können. Irgendwas ist hier im Busch. Eine Gruppe spätpubertärer Mädchen fängt an zu tuscheln und unkontrolliert zu quieken. „Boah saugeil hey. Guck des isch der Dschorscho [Giorgio], den han i scho beim ledschda Wörkschop in Hedrdupfing gesäha, der isch so geil hey der hot oz die geile Moves drauf“. Mhm. Giorgio von und zu Zumba Trainer hat also das Gebäude betreten.

Shake it Baby!

Der Besitzer des Sportstudios, das das Event ausrichtet, bergüßt uns im original schwäbischen Dialekt, und stellt stolz die Trainer vor. Unter ihnen auch seine Tochter (ich nenne sie Tittensusi) und seinen Schwiegersohn [mit denen stimmt doch was nicht…]. Die Party beginnt, und mir wird recht schnell bewusst, dass Zumba für uns wohl einfach ein spaßiger Zeitvertreib ist, während es für große Teile des Publikums wohl eher als Lebensinhalt dient. Jede Drehung, jeder Hüftschwung, jeder Hüpfer wird von einem kreischenden „Woooooohooo“ begleitet. Fast wie beim Tokio Hotel Konzert zu ihren besten Zeiten. Nur mit anderer Musik. Ich mache fleißig mit und wackele was das Zeug hält mit meinem Ärschchen. Dank der etwas fülligeren zwei auf ein Meter Dame vor mir ist es mir allerdings fast unmöglich, die „mega hoißa Kerle“ auf der Bühne zu sehen. Nur Tittensusi, die sehe ich. Heute ist ihr Tag. Vorsorglich den BH zu Hause gelassen nutzt sie ihren Auftritt dafür, dem Publikum zu präsentieren, wie toll sie mit ihren Brüsten wackeln kann. Sie wackeln sehr, und zwar so sehr, dass meine Freundin und ich kurzzeitig wie hypnotisiert aufhören müssen zu tanzen, um uns das Spektakel zu Gemüte zu führen. Hätte ich Geld dabei, würde ich mindestend einen Zehner wetten, dass sie ihr aus dem T-Shirt hopsen.

Zweieinhalb Stunden später beschließen wir einstimmig, das Spektakel zu verlassen. Viel zu easy für uns… und viel zu seltsam. Beim Hinausgehen renne ich zu meinem Glück auch noch (verschwitzt und mit hochrotem Kopf) meinem Ex Freund in die Arme, der an diesem Abend den Sanitäter spielt. Er ist mehr als leicht irritiert, ich haue lieber schnell ab. Fazit meines Abends ist wohl das folgende: Zumba Party…nicht nochmal. Zu viele Freaks, zu viele pinke Stränchen, zu viel Hysterie. Da gehe ich lieber wieder zu meinem neuen Lieblingszumbatrainer, einem Türken, Mitte vierzig, ehemals Backgroundtänzer bei Latoya Jackson, einem richtigen Mann der mich ordentlich ins schwitzen bringt. Hier kann ich mit gutem Gewissen scheiße aussehen und muss mich nicht dafür schämen. UND: hier kreischt niemand. Fazit zwei (und das beruhigt mich am meisten): Ich bin eine ganz normale Frau. Herrlich! Entschuldigung, ich meine natürlich: Wooooohooo!

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13 Gedanken zu “Die Invasion der Wooooohoo-Girls

  1. Hah! Genau so habe ich das erlebt. Ich hab es drei Mal ausprobiert. Richtig gut war’s nur bei meiner Salsa-Lehrerin. Alle andere haben sich in albernen „Whoooohoooos“ an allen passenden und unpassenden Stellen vergnügt, gepaart mit einem „Das macht Spaß, hey!“. Das kam so häufig, dass ich irgendwann sauer dachte, dass die vortanzende Neontusnelda es doch bitte mir überlassen soll, ob ich Spaß habe oder nicht.
    Zumba ist albern – für mich. Ich mag auch lieber ernsthafte Trainer, die vor lauter Anstrengung kein „Woooohoooo“ mehr seufzen können und mich dafür aber ordnetlich ins Schwitzen bringen.

    • Ich stimme zu! Zumba an sich finde ich gut, es macht mir Spaß und powert mich aus…Beim richtigen Trainer natürlich. Aber ohne das ganze Schnickschnack drum herum…

  2. Ich war letztes Jahr auf einem Konzert von Zaz. Die hat nicht viel gemacht außer Wooooooohoooo! Nach einer Stunde sind wir gegangen, wegen Kopfschmerzen 🙂

  3. Ok, Zumba…. ich hätte nix anderes erwartet… aber noch mal zu tittenmaus… sind ihre Brüste denn nun frei geworden ? und warum keine fotos ?? 😉

  4. Genial! Hab herrlich gelacht! Wäre gern dabei gewesen, was für ein Spektakel! Bei uns hier sind die Zumba-Veranstaltungen eher gediegen, es gibt immer mal ein paar Paradiesvögel, die in ihren pink/gelben Zumbaoutfits (du hast recht, von Kopf bis zu den Zehen Marke Zumba) um jeden Preis auffallen wollen, aber das ist eher die Seltenheit. Ich bin defitiniv kein Wooohoooo-Girl! Aber lustig ist’s 🙂

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