Küsse und Gedanken

Ich liebe mein Medium Blog. Über das letzte Jahr hinweg habe ich hier so ziemlich alles Erlebte und Empfundene verarbeitet. Es macht irgendwie süchtig. Nicht aus Mitteilungsdrang, sondern viel mehr um alles mal rauszulassen und darüber reflektieren zu können.

Jetzt sitze ich also hier mit einer riesigen Tasse Kaffee und reflektiere vor mich hin. Gestern hatte ich ein Date. Mit Arthur. Ein wirklich schönes und unterhaltungsgeladenes Date in einer Kolonialstil Cocktailbar. Ich hatte Arthur bereits am letzten Wochenende auf einen spontanen Kaffeeklatsch in der Stadt getroffen. Spontane Dates wie diese sind immer sehr aufschlussreich denke ich, denn die Möglichkeit sich lang und breit darauf vorzubereiten bleibt aus. Es muss eine innere Eingebung gewesen sein, die mich dazu bewegte, nicht im Jeans-Schlabberlook meine samstägliche Shoppingtour, auf der ich mir Klamotten kaufe, die besser aussehen als der Schlabberlook (es muss psychologische Hintergründe haben) anzutreten.  Spontane Treffen zeigen einem den anderen also zumindest annähernd wie er wirklich ist. Also haben wir Kaffee getrunken, geraucht und uns ein bisschen aneinander rangetastet. Immerhin hat das auf beiden Seiten so viel Sympathie erzeugt, dass wir uns gestern in besagter Cocktailbar nochmals getroffen haben.

Es war ein tolles Date muss ich wirklich sagen. Cocktails, Gespräche über mal mehr mal weniger verwerfliche Sünden aus der Vergangenheit, Gespräche über das alt bekannte Thema “Gott und die Welt”, Gespräche über sein und mein Maß an Kreativität sowie philosophischem Hintergrundwissen (hier habe ich definitiv verloren), viel Gelächter, hier und da eine absolut zufällige Berührung, und zum Abschied ein Kuss. Kein typischer erster Date Kuss wie ich mir habe sagen lassen. Nicht flüchtig und vorsichtig, eher länger und mit Zunge. Mag eventuell an den Cocktails gelegen haben. Also bin ich mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause gefahren.

Aufgewacht bin ich viel zu spät mit Kopfschmerzen und Gedanken. Noch bevor ich dazu kam, mir meinen ersten Kaffee zu machen, schwirrten sie aus allen Richtungen ein. Keine Chance auch nur einen davon zu stoppen. Was ist nur los mit mir. Der Plan war locker zu bleiben. Einfach mal zu sehen wie es so läuft und abzuwarten was passiert. Statt dessen: Gedankenchaos. Er ist Musikmensch durch und durch, ich mag Musik, empfinde es aber nicht als essentiell lebensnotwenig. Wohl kenne ich keine einzige der Bands oder Sänger, die sich ein seinem Plattenschrank stapeln. Passt das überhaupt zusammen – der studierte Philosoph mit überaus großem Kreativitätspotential und die mittelkreative Durchschnittsfrau mit Witz und Charme? Werden uns irgendwann die Gesprächsthemen ausgehen? Wird er seine  Bettgeschichte irgendwann abschießen oder sie aus Gründen der Bequemlichkeit einfach noch eine Weile behalten? Wie geht alles weiter? Was ist der nächste Schritt? Vollkommen uneingeladen waren sie auf einmal alle da, diese absolut unnötigen Gedanken… und das vor dem ersten Kaffee.

Nach der kurzen gedanklichen Ruhepause während des dann wirklich wohlverdienten Kaffees hörte ich auf über ihn nachzudenken. Statt dessen dachte ich über mich selbst nach. Kann man, wenn man einige Zeit als Single verbracht hat, tatsächlich verlernen wie so etwas funktioniert? Wo ist die Fähigkeit hin, absolut offen für all das was da eventuell passieren könnte oder aber auch nicht zu sein? Ich meine wir hatten ein schönes Date, was wollt ihr von mir ihr vielen unnötigen Gedanken? Gründliche Reflektion meinerseits, unterbrochen von einer “free your Mind Sport Pause” (ich kann’s selbst nicht glauben, dass ich mittlerweile zu den Menschen zu gehören scheine, die zum Sport gehen um den Kopf frei zu bekommen), ergab schlussendlich die Lösung des Problems: nicht fixieren. Ich stelle fest, Date Monogamie ist alles andere als normal. Also war ich bis jetzt wohl nicht normal.  Ist man nicht so fixiert, macht man sich auch nicht so viele Gedanken, und kann tatsächlich freudig abwarten was das Leben alles für einen bereit hält. Ich sollte mir das wohl immer mal wieder vor Augen halten. Welch ergiebiger Samstag, ich bin begeistert.

Was ich jetzt mache? Ich gönne mir ein Glas Wein, lege die Algengesichtsmaske auf, verschlinge den Rest meines Schundromans und warte ganz locker ab, was der morgige Tag so mit sich bringt.

photo credit: Juliana Coutinho via photopin cc

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