Kontradepressiv

Es ist schon komisch, gestern hat den ganzen Tag die Sonne vom Himmel gestrahlt und meine Laune war wirklich im Keller. Heute regnet es und ich bin bester Laune. Ich habe wohl so zu sagen eine Kontradepression (ich liebe Wortneuschöpfungen, ein weiteres meiner Schmuckstücke ist „Seelenmasochist“). Es mag mit daran liegen dass ich heute bequemere Klamotten anhabe als gestern.

Zudem ist mir heute aufgefallen, wie auch immer ich darauf gekommen bin, dass ich wohl mit Mike abgeschlossen habe. Ich gebe zu, ich hatte ihn vor ein paar Wochen nochmal angerufen und zu mir zitiert. Abschieds-Sex quasi. Hab es keinem erzählt erstens weil ich mich ein kleines bisschen geschämt habe wieder schwach geworden zu sein und zweitens weil ich erst sicher gehen musste, dass mein schlauer Plan auch aufgeht. Welcher Plan? Das frage ich mich auch gerade, so was wie einmal noch zum Abschied und dann nie wieder? Also dann wirklich nie wieder. Auch wenn mir bewusst ist, dass dies ziemlich in die Hose hätte gehen können hat es ziemlich gut geklappt. Mag auch daran liegen, dass ich die üblichen nachsexuellen Gespräche abgeblockt und ihn zur Tür begleitet habe. Du sei mir nicht böse aber es ist schon ziemlich spät und ich mindestens ebenso müde… juhu! Nicht zu glauben, dass ich das wirklich gemacht habe! Frei nach dem Motto „du willst nur Sex, du kriegst nur Sex“ habe ich seine Erzählungen über die schlimmen beruflichen Entwicklungen und sonstige Sperenzchen höflich aber bestimmt abgewehrt. Hach ja, wäre das nicht schön wenn man eine Partnerin hätte mit der man über sein Seelenleid sprechen kann? Der Kelch ging wohl an ihm vorbei.

Seit dem habe ich nicht mehr an ihn gedacht, gut das stimmt nicht ganz, ein bisschen habe ich schon an ihn gedacht, aber nicht wehleidig sondern eher nüchtern. Funkstille auf beiden Seiten. Das ist ok. Irgendwann musste ich ja mal damit abschließen. Das theatralische Nummer löschen habe ich mir dieses Mal gespart, ich bin jetzt 30 da ist übermäßige Tragik unnötig. Wer weiß, vielleicht meldet er sich irgendwann mal wieder nur um mal zu hören wie es mir so geht, ist immer gut zu wissen wer schreibt 🙂 Der Zaunpfahl winkt freundlich. Um dem Tag die Krone aufzusetzen marschiere ich jetzt durch den Regen zum Pommes Stand meines Vertrauens und gönne mir eine große Portion!

…Nachtrag: Sollte das Wort antidepressiv heißen? Ich muss noch tüfteln…aber Wortneuschöpfungen kann ich ja halten wie ich will…

photo credit: Nanagyei via photopin cc

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Ein Gedanke zu “Kontradepressiv

  1. Sehr gut, das war genau was ich mir die ganze Zeit gedacht habe. Nimm Mike als Fuckbuddy. Wann immer Du das Bedürfnis hast, dann ruf ihn an. Das ist wie wenn man im Ausland zu McDonalds geht. Keine positiven aber auch keine negativen Überraschungen. Man weiß genau was man bekommt. Ja, Dir entgeht vielleicht ein super lokales Essen, aber auch die Megapleite. Auf diese Art kannst Du „gesättig“ viel bessere Entscheidungen treffen und weiter suchen. Ich bin sehr stolz auf Dich.

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