Herr Farmer

Heute ist ein guter Tag für die Geschichte von Herr Farmer. Ich bin unglaublich faul und habe mir einen Relax Tag gegönnt. Tatsächlich habe ich auch vom gestrigen Sporteinsatz so schlimme Ganzkörperschmerzen, dass ich kaum in der Lage bin etwas anderes zu tun.

Marktwert testen

Also. Nach einer Weile mit Mike hatte ich irgendwann das Bedürfnis, mich mal wieder ein bisschen umzusehen. Nicht weil es wirklich nötig war, sondern einfach mal nur so, um meinen Marktwert ein bisschen zu testen. Also hab ich meine lustige Dating App geöffnet und mal meine Volltrefferliste durchstöbert, wobei ich Herr Farmer entdeckt habe. Sympathischer Typ, relativ klein, nettes Lächeln. Also habe ich ihn einfach mal angeschrieben und auch tatsächlich sofort eine Antwort bekommen. Wie immer haben wir fleißig hin und hergeschrieben wobei auch das ein oder andere klitzekleine Detail aus seinem Privatleben hervorblitzte. Ach ja, nur dass du es weißt, ich bin übrigens alleinerziehender Vater von dreijährigen Zwillingen die ich zu mir geholt habe nachdem meine Ex-Frau mit Depressionen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde……. aaaah ja. Ich musste sofort an die How I met your Mother Folge denken, bei dem die Freunde darüber philosophieren wie es ist sich mit jemanden zu treffen der jede Menge Ballast mit sich trägt (der Ballast wurde mit lustigen Koffern die mit Aussagen wie „sammelt Stofftiere“, „hat schon mal Fahrerflucht begangen“ oder „wohnt bei seiner Mutter“ dargestellt). Vor meinem inneren Auge tauchten neben ihm sofort viele viele Koffer voll Vergangenheitsballast auf. Wer nicht versteht was ich meine sollte schleunigst beginnen HIMYM zu schauen! 🙂

Der bayerische Gentleman

Trotzdem habe ich beschlossen das vorerst mal auszublenden, und mich einfach mal mit ihm zu treffen und dann zu entscheiden ob ich Lust auf Mann mit Kindern und Ex-Frau habe. Als erstes hat mich zu meinem neuen Fang meine liebe Freundin beglückwünscht, die ebenfalls Mann mit Kindern hat. Aber er war so charmant, ich hätte mich bestimmt geärgert wenn ich es nicht wenigstens probiert hätte. Also haben wir uns getroffen. Die Begrüßung „Jo servas schee dass’d do bist“ fand auf tiefstem bayrisch statt (kommt vom Land der Junge), was mich zugegebener Maßen zuerst ein wenig irritierte. Allerdings hat er meinen ersten Eindruck während des Abendessens absolut umgekehrt. Es war erfrischend, witzig, wir haben viele Gemeinsamkeiten entdeckt, wie zum Beispiel die Abneigung gegenüber Consultants, die nach Feierabend ihre Krawatte cool in die Hemdtasche stecken… Wir hatten uns so viel zu erzählen, dass wir beschlossen, nach dem Essen noch was trinken zu gehen. Er war der perfekte Gentleman, bezahlte das Essen, überließ mir in der Bar den letzten Barhocker, nahm mir die Jacke ab, bestellte Champagner und machte mir tolle Komplimente. Vollkommen großzügig ignorierte er sogar, dass seine Mutter zu Hause bereits auf die Kinderablöse wartete. So wurde es später und später, mehr und mehr Gläser wurden geleert, wir näherten uns immer weiter an und auf einmal haben wir uns einfach geküsst. Ein tolles Gefühl, sehr prickelnd, ohne die Menschen um uns herum noch wahrzunehmen. Da habe ich beschlossen, dass ich ihn wiedersehen muss, Kinder hin oder her. Ich hatte aufgrund seiner deutlichen Bekundungen darüber wie toll ich wäre und wie sehr er die Zeit mit mir genießen würde, durchaus das Gefühl, dass es ihm zumindest ähnlich geht. Wir verabschiedeten uns, viel geknutsche und nette Worte, und ich fühlte mich ein bisschen beflügelt. Gut, mitunter lag das auch am zum späten Zeitpunkt doch leicht angestiegenen Alkoholpegel.

Von Hundert auf Null

In den kommenden Tagen und Wochen trafen wir uns regelmäßig….. auf Skype. Wir erzählten uns von unserem Tag, davon wie gern wir uns wiedersehen würden, und wie sympathisch wir den anderen fanden. Leider blieb es hierbei auch. Der Babysitter konnte nicht, die Mutter konnte nicht und da wurde mir bewusst, wie schwierig es werden würde wenn das tatsächlich klappen sollte. Es schien als hätten wir endlich einen Termin gefunden, an dem ein Treffen klappen könnte, da ich einen Tag frei hatte, und er wohl in seinen Arbeitszeiten als erfolgreicher Banker recht flexibel war. Und jetzt kommt der interessante Teil. Es war der Dienstag Morgen, ich saß gemütlich beim Frühstücken und habe noch etwas verschlafen meinen Jumbo Kaffee geschlürft. Nebenher habe ich mal geschaut was Facebook so neues zu berichten weiß, und auch Herr Farmers Profil einen kleinen Besuch abgestattet. Ja…. Da sah ich, wie eine mir natürlich unbekannte Dame ein „guten Morgen“ mir übertrieben vielen Smileys auf seine Pinnwand geflötet hatte, in Sekundenschnelle mit einem guten Morgen seinerseits kommentiert….. und JA ich habe mich geärgert und zwar tierisch. Vor lauter Ärgernis habe ich erst mal eine geraucht, nur um dann nochmal zu überprüfen ob weitere Kommentare folgten. Leider, zu meinem Erstaunen war mir das nicht mehr möglich da Herr Farmer für mich auf Facebook verschwunden war. Einfach weg, nicht einfach die Freundschaft beenden, nein, sondern gleich auf die Ignoreliste habe ich es geschafft. In dem Moment ein Schlag ins Gesicht. Ich kam mir vor wie eine 15jährige, pubertierende Stalkerin, die ihrem Schwarm vor lauter Liebe so viele Nachrichten und Pinnwandeinträge hinterlässt, dass er sich nicht anders zu helfen weiß als den Ignore Knopf zu drücken. Geht’s noch? Ich bin 30 Jahre alt und werde von einem Mann auf die Ignore Liste gesetzt? Weitere viele Zigaretten später und nach einigen verärgerten Mails an alle meine Freunde die ich natürlich sofort über diese unverschämte Aktion aufklären musste, ging mein Ärger nicht etwa vorbei sondern wurde neu entfacht.

Um Kopf und Kragen reden

„Liebe Carrie, ich habe heute Nacht sehr viel nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass es besser für dich ist, wenn wir das mit uns beiden lassen. Ich kann dir nicht der Mann sein den du verdienst, es war auch für mich keine leichte Entscheidung, bitte akzeptiere das, es ist besser so.“ Nachdem ich meinen spontanen Heulkrampf wieder gestoppt hatte führte ich mir die Nachricht nochmal zu Gemüte. Es ist besser für mich? Er hat sich die vorherige Nacht intensiv darüber Gedanken gemacht? Etwa zusammen im Bett mit der Guten-Morgen Tussi? Pah! Wenn er sich schon eine Abfuhr aus den Fingern saugt hätte er sich wenigstens etwas Besseres einfallen lassen als „es liegt nicht an dir sondern an mir“, was wohl die Charts der schlechten Abfuhren bei weitem anführt. An dieser Stelle würde ich gerne erzählen, dass ich trotz meines Ärgernisses über der ganzen Sache stand und ihn mit einem coolen Satz abgespeist habe der ihm vermittelt dass ich ihn für einen Schlappschwanz halte, und auf seine Anwesenheit gut verzichten kann. Wer mich kennt weiß allerdings dass ich im Leben über vielen Dingen stehen, nur wenn man mich verletzt, kann ich nicht an mich halten. Also habe ich ihm den vollen Text darüber, dass er gefälligst nicht zu entscheiden hat was gut für mich ist und was nicht, und dass ich ihm nicht abnehme dass er mir aus diesem Grund eine Abfuhr erteilt, sondern dass ich vielmehr annehme dass er eine andere kennengelernt hat, gedrückt. Diese Nachricht wurde mit einem kurzen „bitte akzeptiere meine Entscheidung, es ist besser so“ beantwortet, worauf ich ihn wüst beschimpft habe. Und dann war es still.

Zum Glück muss ich sagen habe ich mittlerweile immerhin gelernt mich wenn dann nur kurz in solche Dinge hineinzusteigern und trotz angeschlagenem Ego war es nachdem ich Nummer, SMS und Skype Kontakt gelöscht hatte schon nach einem Tag wieder ok. So ein Arschloch! Schon interessant wie sehr man sich in Menschen täuschen kann. Jaja ich weiß, wir haben uns nur einmal getroffen und kannten uns nicht richtig und es war sowieso nicht klar wie und ob überhaupt das funktioniert hätte, aber bis jetzt hatte mich immer für einen Menschen mit einer zumindest akzeptablen Menschenkenntnis gehalten. Und das hätte ich ihm tatsächlich nicht zugetraut. Somit ist Mike nun von vier Dates das einzig Positive. Wie ist das in der Dating Welt? Ist ein 1:3 Schnitt gut? Ich beschließ einfach mal, dass es gut ist. Basta. Ignore Liste… ich glaub ich werde nicht mehr!

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